Des Rätsels Lösung

Friedas Code wurde geknackt

Eine unlesbare Karte wird lesbar

 
Wir hatten auf unserer Seite in der Kategorie Wir suchen… ursprünglich einen Beitrag zu einer mysteriösen Ansichtskarte angelegt. Diese Karte aus dem Jahr 1910 war für uns zunächst vollkommen unlesbar und wir dachten sogar zuerst, dass sie in einer Geheimschrift verfasst ist. Unsere gute Freundin Franzi sah sich die Karte eines Tages an und stellte fest, dass es sich bei der mysteriösen Geheimschrift um Stenografie handeln könnte.
Von da an versuchten wir, einen Übersetzer zu finden – sei es nun ein Mensch oder ein Programm. Nach längeren erfolglosen Google-Suchen und zahlreichen unbeantworteten Anfragen an verschiedene Steno-Vereine und Hochschulen kam wieder unsere Freundin Franzi ins Spiel…
 

Franzis Bemühungen, Anstrengungen und Ideen

Weil sie wusste, dass wir den Inhalt der Karte erfahren möchten – und sie selbst mittlerweile auch, ließ auch Franzi nichts unversucht, eine Lösung dieses Problems zu finden. Wir wussten indessen nichts von ihren Bemühungen. Sie stand im Kontakt mit einer Person, von der sie sich Hilfe beim Übersetzen erhoffte. Statt einer Übersetzung bekam Franzi allerdings den Hinweis, dass es sich bei der Schrift wahrscheinlich um Gabelsberger Steno handelt. Die folgenden Wochen verbrachte sie mit dem Gabelsberger-Lehrbuch und versuchte in mühevoller Kleinarbeit, Wort für Wort zu übersetzen. Es erwies sich als zunehmend schwierig, für die Zeichen auf der Karte Entsprechungen zu finden.
 

Die Offenbarung

Eines schönen Tages (es war ein Samstag) weihte uns Franzi in ihre bisherigen Bemühungen ein. Wir waren erstaunt und unglaublich dankbar, dass sie sich diese Mühe gemacht hat. Darum an dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön! Ohne sie wären wir heute nicht an des Rätsels Lösung angelangt. Wir waren sogleich Feuer und Flamme und stürzten uns mit ihr in die geheimnisvolle Welt der Stenografie.
Schließlich stellten wir fest, dass Gabelsberger nicht für alle Zeichen im Kartentext anwendbar ist, da es teilweise keine Entsprechungen gibt oder Kauderwelsch herauskam. So befragten wir erneut das Orakel (Google), um festzustellen, dass 1910 auch noch die Stolze-Schrey-Stenografie gelehrt und angewendet wurde. Das einzige, das wir fanden, war eine Systemübersicht dieser Steno-Variante. Und siehe da: Schneller als erwartet hatten wir innerhalb weniger Tage eine fast vollständige Übersetzung fertiggestellt.
 

… und dann kam Hans

Auf Twitter sind wir schließlich noch auf einen Menschen gestoßen, der heute noch Stolze-Schrey beherrscht. Nach kurzer Anfrage war er sofort bereit, unseren übersetzten Text Korrektur zu lesen. Schließlich sind wir keine Experten und wollten sichergehen, dass der von uns erahnte Text auch richtig ist. Dafür auch nochmal vielen Dank an Hans!
 

Nachdem wir genug Spannung aufgebaut haben…

… hier die übersetzte Karte


Berlin, 19.1.10
Liebe Frieda!
Deine Karte habe ich erhalten und mich sehr darüber gefreut, zumal diese noch in Stenografie geschrieben ist. Hoffentlich wirst Du auch diese Wörter entziffern können. Am kommenden Sonntag bin ich wieder in Adlershof und werden wir uns hoffentlich zu sehen bekommen. Ich war auch am Weihnachtsfeiertag dort mit meinem grossen Bruder, habe Dich aber nicht gesehen. Den hättest Du nicht wiedererkannt, er war nämlich in seiner Uniform.
Zum Schluss viele Grüsse an Dich und die Deinen.

Frieda_an_Frieda Stenografie
 
Diese Karte wurde von Frieda Zboromski an ihre gute Freundin Frieda Holz, später Peschke, geschrieben.
 

4 thoughts on “Des Rätsels Lösung

  1. Das ist zu viel der Ehre. Aber ich freue mich sehr, dass ihr das Rätsel nun gelöst habt und der Inhalt dieser Karte nun auch in diesem Jahrtausend angekommen ist.

    1. Brauchst nicht so bescheiden sein. Ohne Dich wären wir nicht auf die Idee gekommen, es einfach mal selbst zu versuchen; geschweige denn, uns mit Steno-Systemen zu beschäftigen. Außerdem hast Du auch tatkräftig mitgeholfen. Also… Danke!

  2. Ich habe auch eine Postkarte, gesendet aus Frankfurt, 1916. Ich habe es mit Googeln versucht, glaube aber, die Stenoschrift ist ‚Gabelsberger‘, auch wenn ich nur 3-4 Worte habe entziffern koennen. Wenn hier jemand Interesse haette, einen Blick darauf zu werfen, wuerde ich sie mal abfotografieren und e-mailen.

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