Gustav Peschke – Der andere Opa

Gustav Peschke

Gustav Peschke

Eine Hommage

 
Der „andere Opa“ ist der Uropa der Einen. Leider war es uns nicht möglich, ihn persönlich kennenzulernen. Durch seinen Nachlass, der vor allem aus alten Postkarten zwischen 1905 und 1925 besteht, haben wir einen kleinen Einblick in sein Leben und seine Person erhalten dürfen.
Auch wenn sein Name „anderer Opa“ nicht besonders liebevoll erscheint, kann der Eindruck täuschen. Die Enkel des Herrn Kuester haben diese Bezeichnung nur zur Unterscheidung der verschiedenen Großeltern verwendet. Es gab auch noch die „kleine Oma“ und den „kleinen Opa“, „Häschenopa“ und „Häschenoma“ usw. Aber zurück zu Gustav und seinem Leben.

Jugendjahre

Gustav Emil Hermann Peschke wurde als erster Sohn des Buchhalters Emil Peschke und Auguste Mombrai am 21. Mai 1886 in Berlin-Friedrichsvorstadt geboren. Die ersten Jahre verbrachte er mit seiner stetig wachsenden Familie in Berlin-Friedrichsvorstadt sowie Berlin-Louisenstadt. Zwischen 1892 und 1894 zog Familie Peschke nach Adlershof. Dort wurde Gustav im Jahr 1900 in der Verklärungskirche konfirmiert.
Er erlernte den Beruf des Tischlers. Um 1912 machte Gustav in Eisenberg, einer Stadt die für Klavierhandwerk bekannt war, eine Weiterbildung zum Klavierbauer. Aus dieser Zeit existieren noch Postkarten, die Gustav aus Eisenberg nach Adlershof an seine Verlobte und spätere Frau geschrieben hat.

Gustav und Frieda

Über die genauen Umstände ist uns leider nichts bekannt, aber in Adlershof, irgendwo zwischen der Waldstraße und der Helbigstraße, haben sich Gustav Peschke und Frieda Holz kennen und lieben gelernt. Frieda war ein Mädchen aus Adlershof, das sieben Jahre jünger als Gustav war. Aus den Karten ist ersichtlich, dass sie die große Liebe seines Lebens war. Auch lange nach ihrem Tod hat er noch liebevoll von ihr gesprochen.
Gustav und Frieda heirateten am 12. Oktober 1912 in der Verklärungskirche in Adlershof. Gemeinsam wohnten sie erst in der Waldstraße, später in der Kronprinzenstraße (heute Wassermannstraße) in Adlershof. Die Ehe blieb leider kinderlos. Allerdings hat sich Frieda umso liebevoller um die Familien der beiden gekümmert und für Zusammenhalt gesorgt. Dieser starke Zusammenhalt, vor allem in der Familie Peschke, ist glücklicherweise durch Gustavs Karten und den liebevollen Umgangston darin überliefert. Beispielsweise haben Gustavs Eltern schon vor der Ehe ihres Sohnes Karten an Frieda mit „Mama und Papa“ unterschrieben.

Erster Weltkrieg – Einblicke in das Fliegerleben

Im Ersten Weltkrieg kam Gustav Peschke als Flieger zum Armeeflugpark 11, später Armeeflugpark Bug. Da er als Bodenpersonal für die Reparatur und Wartung der Flugzeuge hinter der Front stationiert war, hat er selbst glücklicherweise nie an Kämpfen teilgenommen. Da wir hier die Schrecken des Krieges nicht herausstellen möchten, beschränken wir uns in unseren Erzählungen auf das, was sich Gustav mit seiner Frau und seiner Familie geschrieben hat. So bekommt man zumindest einen Einblick in die Sorgen aus dem Alltag dieser Zeit, die aus heutiger Sicht teilweise trivial bis lustig erscheinen.

Juni 1915
Liebe Frieda!
Heute habe ich Paket IIa und IVj erhalten. Donnerwetter tadellos!! Nur das Schmalz ist halb ausgelaufen. Schmalz und Butter sind bei der Wärme also noch nicht angebracht…

Hast Du schon Gurken eingemacht? Oder wird das zu teuer?

September 1917
Schicke mir bitte sofort einen Kanister oder zwei Gläser. Der Kanister ist mir von der Leiter gefallen.

März 1916
Vielleicht hört der Krieg bald auf. Das kommt einem schon zum Hals raus!

Oktober 1915
Wenn ich nicht ein Peschke wär, würde ich sagen, die haben alle was weg. Ich meine vom Krieg. Na die Hauptsache ist, dass ich ein hübscher Kerl bin.

Wir wollen hier nicht zu ausführlich über Gustavs Militärzeit berichten. In den Beiträgen werden wir aber regelmäßig neue Informationen mit euch teilen.

Gustav und Frieda 2.0

Über Gustavs Leben zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg sowie in der frühen Nachkriegszeit wissen wir leider nichts. Am 11. März 1950 ereilte Gustav ein schwerer Schicksalsschlag. Seine über alles geliebte Frieda verstarb mit nur 56 Jahren. Als Todesursache wird ihre vermutlich angeborene Herzmuskelschwäche festgestellt.
Glücklicherweise fand Gustav innerhalb von drei Jahren nach Friedas Tod eine neue Frau, die ihm Halt gab und ihn unterstützte. Diese Frau war die Uroma der Einen, Frieda Becher, geschiedene Kuester. Auf diese Weise musste sich Gustav zumindest keinen anderen Namen merken.
Ein markanter Spruch, um Gustav und Frieda zu beschreiben, ist: „Was die eine nicht hört, sieht der andere nicht.“ Frieda hat ständig vergessen, ihr Hörgerät anzumachen und Gustav musste trotz Brille in alles reinkriechen, um etwas erkennen zu können.
Gustav und Frieda wohnten gemeinsam in Adlershof in der Wassermannstraße 68, was auch ihr Wellensittich bestätigen konnte. Denn dieser konnte folgende Sätze sprechen:
 
Mein Name ist Bubi Peschke, Wassermannstraße 68. Mamis Liebling. Gib Küsschen.
 
Wir wissen allerdings nicht, welcher Bubi Peschke das sagen konnte, denn es gab mehr als einen.
 
Gustav und Frieda haben noch viele schöne Jahre miteinander verbracht. Gustav Peschke starb im August 1982, Frieda folgte ihm im Oktober.